Einen guten Hinweis hat der
Erwin Burkert mir gegeben, das war zu dem Ernst-Busch-Lied. Erwin machte Filme beim Fernsehen und kannte den Ernst Busch sehr gut. Er kriegte mit, daß der sehr krank war und wahrscheinlich nicht mehr aus dem Krankenhaus herauskommt. Deshalb machte er einen Dokumentarfilm über ihn und bat mich, ein Lied dazu zu schreiben. Ich war ziemlich hilflos, bis er mir einige Dinge von Busch erzählte, aus seinem Leben.
Busch war aus der Partei rausgeflogen, wegen einer ganz dummen Sache. Da gab es damals einen Umtausch von Parteidokumenten, man mußte als SED-Genosse zu einer Kommission und irgendwelche Fragen beantworten. Busch ging hin, und da saß so ein jungscher Kerl, der buchstabierte: »Busch, Ernst.
Genosse Busch, Sie waren also im Widerstand, und im KZ auch. Haben Sie dafür Belege?«
Da hat der Busch gesagt: »Wen schickt die Partei da, um mich zu befragen?
Ihr müßt ja wohl blöde sein! Behaltet den Lappen!« Und das wurde dem Ulbricht gemeldet. Die suchten damals einen Vorwand, um Busch rauszuschmeißen. Ihn traf das sehr hart, weil er seitdem kein Konzert mehr hatte, keinen Auftritt, gar nichts.
Und hätte Brecht ihn nicht zum »Berliner Ensemble« geholt, wär's ihm dreckig gegangen. Busch wurde erst wieder rehabilitiert, als Honecker dran war, und der »Oktoberklub« war einer der ersten, der ihm gratulieren durfte, zum 70. Geburtstag. Was aber das wichtigste ist: Busch hat über die ganze Sache geschwiegen, im Gegensatz zu Biermann. Nun versteht man wahrscheinlich auch Buschs Haltung zu Biermann. Er mochte ihn nicht.
Kurzum: Ich hab dem
Erwin Burkert ein Busch-Lied geschrieben, und das kam auch im Fernsehen. Bei irgendeinem Empfang in der Akademie der Künste kam Buschs Frau Irene zu mir und sagte: »Der Ernst hat das gehört und fand das ganz prima, das Lied. Danke, soll ich Dir ausrichten.« Dann kam Egon Krenz zu mir und sagte: »Ja, ein ganz prima Lied.« Er ging wieder weg und unterhielt sich mit Hartmut König, kam dann zurück und sagte: »Du, das ist doch kein so gutes Lied. Das mußt du dir noch mal überlegen.«
Es gab dann noch ein komisches Nachspiel. Ernst Busch starb wenige Wochen darauf, und es gab eine offizielle Trauerfeier in der Akademie der Künste. Ernst Busch hatte gesagt: »Der Andert soll das Lied an meinem Grab singen.« Am Grab wurde nicht gesungen, aber bei der Veranstaltung. Irene Busch hatte seinen Wunsch weitergegeben, und ich hatte Ja gesagt. Bevor ich auf die Bühne sollte, drei Minuten vorher, kam Konrad Wolf, der Akademiepräsident, zu mir und sagte: »Du, ich muß dir noch sagen, wir hatten das eingereicht mit dem Lied, weil der Honecker da ist. Sie haben uns das Programm zurückgeschickt und gesagt:
Alles O.K. außer Andert, der muß raus. Ja, und da hat Irene Busch gesagt:
Dann komm ich nicht. Ernst hat sich das Lied gewünscht, und wenn das Lied nicht kommt, dann komm ich nicht. Ich sag:
Und das erzählst du mir jetzt, wo ich raus muß?
Ich war fix und alle, ich hab das Lied nicht singen können, die Hände waren verklemmt, und: keinen Ton. Ich hab das quasi gesprochen und dabei gezupft. Alle haben gedacht, ich wär so erschüttert über Buschs Tod.